Eigentlich eine traurige Geschichte.

Entscheidet sich eine Familie einen Vierbeiner bei sich aufzunehmen, ist die Freude meist groß, wenn das neue „Familienmitglied“ endlich angekommen ist.

Gars im September 2020, so wird es auch bei einem stolzen Hundebesitzer in Gars gewesen sein, der vor einigen Monaten sein neues „Familienmitglied“ mit nach Hause nehmen durfte. Nichts besonders und eigentlich kein Grund darüber zu berichten, wenn, ja wenn es sich bei dem Welpen nicht um einen im Volksmund so genannten „Kampfhund“ handeln würde, der zudem unter die Kategorie 1 der Listenhunde fällt.

Das schlechte Image der Kampfhunderassen

Im Grunde war es ein „blöder Zufall“ der dazu führte, dass gewisse Rassen auf den Listen gefährlicher Hunderassen landeten. In Zeiten, in denen Beißunfälle mit Hunden in den Medien immer stärker ausgeweidet wurden, musste die Politik reagieren um den Bürger, der sich und seine Familie von den Hunden bedroht sah, zu beruhigen. Da Berichte von Übergriffen durch „bösen Kampfhunde“ natürlich für mehr Auflage sorgte, als ein Bericht von einem Pekinesen, der ein Kind gebissen hatte, blieben diese Übergriffe natürlich in Erinnerung.

Das in der gleichen Zeit viele Menschen von Schäferhunden gebissen wurden, von denen aufgrund veralteter Ausbildungsmethoden in so genannten Hundesportvereinen, eine viel größere Gefahr ausging, wurde in den Medien kaum erwähnt. Dies mag dem Umstand geschuldet sein, dass Pitbull und Co. lange Zeit von einer gewissen Klientel gehalten wurden und auch gezielt von diesen Leuten als „Machtinstrument“ missbraucht wurden.

Es leuchtet ein, dass ein Bericht über einen Pitbull, dessen Halter ein südländischer Zuhälter ist, natürlich mehr Aufsehen erregt als der Biss des Schäferhundes „Hasso“ vom Rentner Huber.

Unbestreitbar steht fest, dass kein Hund von Natur aus böse ist. Aggression ist nicht vererblich, sondern eine anerzogene Verhaltensweise. So genannte Kampfhunde erfüllen manche spezifischen Eigenschaften, die sie vielleicht etwas besser in die Lage versetzen einen Kampf für sich zu entscheiden (ausgeprägte Muskulatur, breiter Kopf und dem entsprechenden Bisse, keine Schmerzrezeptoren im Zahnbereich usw.). Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass ein solcher Hund generell kämpfen muss oder gar will.

Grundsätzlich steckt in jedem Hund das Potential ein „Kampfhund“ zu sein, dies ist aber keine Frage der Rasse, sondern vielmehr eine Frage des sozialen Umfeldes. Der Mensch hat es in der Hand aus jedem Hund einen sozialverträglichen Alltagspartner zu formen, oder einen dann bald gefürchteten „Kampfhund“.

Warum muss dann dieser Hund die Gemeinde verlassen?

Listenhunde, von ihnen wird gesprochen, wenn es sich um „Kampfhunderassen“ handelt, werden in Kategorien unterteilt. Rassen, die in der Kategorie 1 gelistet sind, dürfen in Bayern nicht gezüchtet, nicht gehalten und auch nicht eingeführt werden.

Selbst wenn diese Bestimmungen dem derzeitigen Halter nicht bekannt gewesen wären, muss er spätesten bei dem Versuch sich einen Welpen dieser Kategorie anzuschaffen bemerkt haben, dass dies in Bayern eigentlich unmöglich ist.
Spätestens jetzt muss klar sein, dass mit der Anschaffung Konsequenzen drohen, an deren Ende zuletzt eine Wegnahme des Tieres unausweichlich ist. Würde die Gemeinde hier einen Ausnahmefall in Erwägung ziehen, müsste sie auch, um einen solchen anwenden zu können, geltendes Recht beugen.

Dabei ist es unerheblich ob die Listen und Kategorien noch zeitgemäß sind oder nicht, noch ist die Rechtslage ebenso, dass gewisse Hunderassen in Bayern verboten sind.

Was geschieht nun mit dem Tier?

Ein leichtes Stöhnen ist zu hören als der 1. Bürgermeister der Marktgemeinde darüber Auskunft gibt: „Wir hatten sehr viel Arbeit mit dem Fall, es ist nicht damit getan zu hoffen die Polizei würde nun kommen, das Tier abholen und die Sache wäre erledigt!“ erklärt Robert Otter.

Vorab muss eine geeignete Einrichtung gefunden werden, die das Tier aufnehmen kann und zudem freie Kapazitäten hat. Auch die Kostenfrage steht im Raum. Auch wenn anzunehmen ist, dass der derzeitige Hundehalter für diese aufzukommen hat, was wenn er dazu nicht in der Lage oder nicht willens ist?

„Das Tierwohl steht für uns an vorderster Stelle, es darf nicht dazu kommen das Tier in eine ungewisse Zukunft zu „entlassen“, bei der ggf. das Wohlergehen des Tieres gefährdet ist!“ betont Otter.

Notfalls würde auch die Gemeinde als absolute Ausnahme vorab für die Kosten aufkommen und versuchen diese beim derzeitigen Besitzer wieder beizutreiben, stellt der Bürgermeister klar.

„Es kann noch ein wenig andauern bis den Hund unsere Gemeinde verlässt. Bis dahin hat die Gemeinde eine verbindliche Leinen- und Maulkorbpflicht ausgesprochen!“ führt der Rathauschef weiter aus, Verstöße dagegen könnten zu empfindlichen Konsequenzen führen.
Bis zur Weihnachtszeit, da ist sich der Bürgermeister aber sicher, wird das Thema spätestens erledigt sein.

Es bleibt zu hoffen, dass dieses arme Tier einen Platz findet bei der artgerechten Haltung eben nicht bedeutet tagaus, tagein, in einem Zwinger verbringen zu müssen.

1 Kommentar

  1. Die sogenannte schwarze Liste für Kampfhunde ist einer der dümmsten Einfälle, den die Politik jemals hatte. Wie schon im Artikel geschrieben, wird kein Hund böse geboren. Der, man möge mir den Ausdruck verzeihen, Idiot ist immer am anderen der Leine. Ein Thema, das mich schon sehr lange beschäftigt und wütend macht. Geht ein Hund auf ein Kind los, wird die Presse tätig und die menschliche Meute springt auf diesen Zug nur zu gerne auf. Was diesem Vorfall vorausgegangen ist, wird nicht erwähnt und interessiert auch niemanden wirklich. Das arme Tier wird eingeschläfert. That´s it!
    In meinen Augen eine Schande. Unsere Hündin, die Dame Bella Sockenmonster, ist herzensgut und lieb Kinder fast abgöttisch. Sollte ihr aber jemand ins Auge stechen, sie brutal am Schwanz ziehen und was Menschen heutzutage noch so alles einfällt um einen Hund zu ärgern, würde ich nicht einmal für sie meine Hand ins Feuer legen. Ein Tier ist kein Mensch und reagiert instinktiv. Fügt ihm jemand Schmerzen zu, wird es sich wehren, egal um welche Rasse es sich handelt; und das ist auch gut so … in meinen Augen.

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